ADFC – Fahrradklima-Test 2014

Würzburg wird erneut von den Radfahrenden sehr schlecht benotet
Für den Radverkehr in Würzburg sind spürbare Verbesserungen notwendig

Beim in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landete Würzburg hinsichtlich seiner Fahrradfreundlichkeit erneut auf den letzten Plätzen. Von deutschlandweit 468 teil-nehmenden Kommunen belegte Würzburg Platz 445, von den 58 bayerischen Kommunen Platz 57.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2014 zum wiederholten Mal durchgeführt, gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans. Über 100.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. Die bundesweiten Ergebnisse wurden heute in Berlin vorgestellt.

Auch 517 Würzburger hatten an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Negativ wahrgenommen werden von Würzburgs Radfahrerinnen und Radfahrern vor allem die zu schmalen Radwege in ihrer Stadt, die mangelhaften Radverkehrsführungen an Baustellen und auch Ampelschaltungen, die in erster Linie auf die Bedürfnisse des Autoverkehrs ausgerichtet sind. Dabei sind den Radfahrenden insbesondere die sogenannten "Bettelampeln" ein Dorn im Auge, also Ampeln, die an Kreuzungen lediglich den motorisierten Verkehr auf der Straße automatisch mit Grünphasen bedienen, Fußgängern und Radfahrern Grünlicht aber nur auf Tastendruck-Anforderung gewähren. Eher positiv wird gewertet, dass das Stadtzentrum gut erreichbar ist, etliche Einbahnstraßen in Gegenrichtung geöffnet sind und dass hier eine breite Bevölkerungsschicht das Fahrrad nutzt.

Im Durchschnitt vergeben die Würzburger die Schulnote 4,37, also gerade noch "ausreichend". Damit zeigt sich gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012 kaum eine Verbesserung. Mehrere Teilnehmer merkten zudem kritisch an, dass in Würzburg gegen Falschparker auf Radwegen so gut wie nichts unternommen wird und bemängelten das hohe Konfliktpotenzial zum Autoverkehr (Radfahren bedeutet hier oft Stress), aber auch mit dem Fußgängerverkehr. Auch fände seitens der Stadt keine Werbung für das Radfahren statt.

 201420122005
Anzahl Interviews Würzburg517421 
Gesamtnote für Würzburg4,374,464,27
Platz deutschlandweit, alle Kommunen445. von 468319. von 332137. von 142
Platz deutschlandweit mit Einwohnerzahl 100.000 - 200.00033. von 3737. von 4224. von 24
Platz bayernweit, alle Kommunen57. von 5837. von 3714. von 14

 Detaillierte Zahlen für Würzburg hier

ADFC-Vorstandsmitglied Thilo Wagenhöfer sagt: „Fahrradfreundlichkeit ist ein Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Würzburger auf dem Rad nach wie vor unwohl fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt für andere Städte, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt." Hans-Jürgen Beck vom Arbeitskreis Verkehr des ADFC Würzburg meint: "Wenn Würzburg wirklich will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen, dann muss auch zügig gehandelt werden. Es ist hier vieles am Anlaufen: Radverkehrshauptachsen werden geplant, ein gesamtstädtisches Radverkehrskonzept wird von einem renommierten Büro zusammen mit dem Radverkehrsbeirat erarbeitet und auch eine professionelle Imagekampagne pro Fahrrad soll durchgeführt werden. Das sind notwendige und lobenswerte Schritte. Entscheidend sind aber nicht nur Planungen, sondern auch die spätere Umsetzung. Wenn bei der Umsetzung einer Planung ständige Kompromisse mit den Bedürfnissen des ohnehin bevorzugten Autoverkehrs eingegangen werden, dann bringt das letzten Endes nicht das erhoffte Ergebnis für den Radverkehr." Als Beispiel führt Beck den Bau der Radverkehrshauptachse 1 zwischen dem Mainradweg und der Hublanduniversität an, bei der aus einer relativ guten Planung nur noch ein Kompromiss und keineswegs eine Vorzeige-Fahrradachse im Entstehen ist. "Die Wegeführung ist für Radfahrende nach wie vor sehr verwirrend. Zudem dauert der Bau nun schon fast 2 Jahre. Von Aufbruchsstimmung ist hier leider noch wenig zu merken."

Im Dezember letzten Jahres wurde die Stadt Würzburg in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V. (AGFK) aufgenommen. Nun hat sie vier Jahre Zeit, um die Kriterien der AGFK für eine fahrradfreundliche Stadt zu erfüllen – vier Jahre, die gut genutzt werden müssen, wenn Würzburg schließlich auch als „Fahrradfreundliche Stadt“ ausgezeichnet werden will.

 

Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2014 und bundesweite Trends finden Sie auf www.adfc.de.     

 19.02.2015

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