Gemeinsame Stellungnahme zu den Planungen der Stadt Würzburg, FA Tiefbau, an Ludwigsbrücke und im Kreuzungsbereich Leistenstraße/Mergentheimerstraße von

  • Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V. (ADFC), Kreisverband Würzburg
  • Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), Kreisgruppe Würzburg
  • Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Mainfranken-Rhön e.V.
  • Lokale Agenda 21 - Arbeitsgruppe Radverkehr im Arbeitskreis Mobilität & Regionalentwicklung von Stadt und Landkreis Würzburg

An die Mitglieder des Würzburger Stadtrats und des Radverkehrsbeirats derStadt Würzburg

die Verbände ADFC, BN und VCD sowie die AG Radverkehr lehnen die im Radverkehrsbeirat am 23.06.2015 vorgestellten Planungen der FA Tiefbau ab (siehe auch Beschlussvorlage 04/6500-5047/2015 der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses vom 14.7.2015) und fordern eine umgehende Überarbeitung der
Pläne, welche eine zeitgemäße Verkehrsplanung mit Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr beinhalten und die Ziele und Vorstellungen des derzeit in Bearbeitung befindlichen Radverkehrskonzepts der Stadt Würzburg berücksichtigen.
Die Gründe für die Ablehnung der Beschlussvorlage „Lückenschluss Radnetz Ludwigsbrücke in Verbindung mit Leistungssteigerung des Knotenpunktes Leistenstraße/Mergentheimer Straße“ werden im Folgenden dargestellt.

Grundsätzliches

Die von der FA Tiefbau vorgestellten Planungen streben vorrangig eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse für den motorisierten Individualverkehr an. Im Mittelpunkt der Planungen steht – gemäß Aussagen der FA Tiefbau – die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts Leistenstraße/Mergentheimerstraße für den
motorisierten Verkehr. Der größte Teil der veranschlagten Kosten von 3,1 Millionen Euro wird in die Sanierung und Ertüchtigung des Knotenpunkts fließen. Von einem Kompromiss für alle Verkehrsteilnehmer bzw. einer Gleichbehandlung kann nicht die Rede sein.

Der Radverkehr würde entgegen aller geltenden Vorschriften von der Straße verdrängt und auf die Fußwege verlagert. Gemäß den Vorstellungen der FA Tiefbau wäre nach Verwirklichung der Planung ein Befahren der Straße für Radfahrer nach der Brückenquerung nicht mehr möglich. Das ist ausschließlich der Erhöhung der
Leistungsfähigkeit für den motorisierten Verkehr geschuldet. Fußgängern und Radfahrern werden Umwege und zusätzliche Wartezeiten an Ampelanlagen zugemutet. Für diese Personengruppen wird somit eine Minderung der Leistungsfähigkeit am Knotenpunkt erzielt. Daher muss bei den Planungen zwingend auch die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Kreuzung für Fußgänger und Radfahrer berücksichtigt werden.

Darüber hinaus werden neue Gefahrenpunkte für Fußgänger und Radfahrer geschaffen sowie das Konfliktpotenzial zwischen diesen beiden ohnehin schwächsten Verkehrsteilnehmern erhöht.

Die Planungen für die an die Brückenquerung anschließenden Radverkehrsanlagen beinhalten unterschiedlichste Führungsformen, sind teilweise benutzungspflichtig, teilweise nicht. Diese für alle Verkehrsteilnehmer verwirrende Verkehrsführung wird zu weiteren Konflikten zwischen den verschiedenen Nutzergruppen führen und Fehlverhalten provozieren. Zudem steht die von der FA Tiefbau vorgeschlagene Lösung im direkten Widerspruch zu den Zielen und Planungen des derzeit in Bearbeitung befindlichen Radverkehrskonzepts.

Der Stadtrat muss entscheiden, welche verkehrsplanerischen Ziele in Würzburg verfolgt werden sollen. Verbesserungen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) führen zu mehr motorisiertem Verkehr, verschärfen die dadurch hervorgerufenen lufthygienischen Probleme und Lärmprobleme und verhindern zudem eine zeitgemäße Innenstadtentwicklung. Die Förderung des Umweltverbundes (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) bietet hingegen die Chance, die Ziele der Stadt Würzburg im Klimaschutz, der Luftreinhaltung, der Lärmminderung sowie der Stadtentwicklung zu erreichen. Nur durch eine Attraktivitätssteigerung dieser Verkehrsmittel erleichtert man der Bevölkerung den Umstieg.

Radverkehrskonzept und AGFK-Mitgliedschaft

Mit Stadtratsbeschluss vom 29.07.2013 legt die Stadt Würzburg künftig das Radverkehrshandbuch „Radlland Bayern“, der Obersten Baubehörde im bayerischen Staatsministerium des Inneren, für die weitere Radverkehrsförderung und -planung zugrunde, mit dem Ziel die Vollmitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK Bayern) zu erlangen. Die Stadt Würzburg sieht in der Förderung des Radverkehrs eine wichtige Aufgabe.

Als ein Ergebnis dieses Beschlusses wird derzeit durch intensive Mitarbeit des Radverkehrsbeirats ein Radverkehrskonzept erstellt. Das Konzept wird einen Handlungskatalog für eine sichere und zeitgemäße Radverkehrsplanung zum Gegenstand haben und soll im ersten Halbjahr 2016 fertiggestellt und durch den Stadtrat verabschiedet werden. Nur mit einem sicheren und umwegefreien Radverkehrsnetz können auch die Vorgaben und Anforderungen der Mitgliedschaft in der AGFK Bayern erfüllt werden. Der Beitritt zur AGFK Bayern verpflichtet zur Förderung des Radverkehrs.

Die Verkehrsplanungen der FA Tiefbau müssen somit die Vorgaben und Empfehlungen des Radverkehrshandbuchs „Radlland Bayern“ und die Ziele dieses Radverkehrskonzepts insbesondere an einem solch zentralen Knotenpunkt im Verkehrsnetz berücksichtigen und einplanen.

Mangelnde Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer

Die vorgestellten Planungen bewirken für Fußgänger keine Verbesserung der Querungsmöglichkeit der Ludwigsbrücke. Nach wie vor steht dieser Personengruppe beidseitig nur ein schmaler Gehweg zur Verfügung.

Die vorgesehene Verlagerung des Radverkehrs von der Straße auf die Gehwege provoziert geradezu Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr. Gegenläufige Radspuren parallel zum Fußweg, rechtwinklige Richtungsänderungen, zusätzliche Ampelquerungen und eine Rampe bis auf Brückenniveau, die drei Mal so steil ist, wie die Straße daneben, stellen eine Behinderung des Radverkehrs dar und erhöhen das Gefährdungspotenzial.

Die vorgeschlagene Brückenquerung durch einen Zweirichtungsradweg stellt keine sichere Lösung dar und wird daher in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VWV-StVO) insbesondere innerorts abgelehnt: „Zu Absatz 4 Satz 3 und Satz 4 […] II. Freigabe linker Radwege (Radverkehr in Gegenrichtung)– 33 1. Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden.“

Auch das Radverkehrshandbuch „Radlland Bayern“ lehnt aufgrund der besonderen Gefahrenlage Zweirichtungsradwege innerorts ab. Die ERA (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen) geben eine Regelbreite von 3,00m für einen Zweirichtungsradweg bei einseitiger Führung an, verbunden mit dem Hinweis: "Das Regelmaß ist bei stärkerem Radverkehr, in Gefällestrecken oder bei unübersichtlicher Linienführung immer
anzusetzen". Alle drei Voraussetzungen sind auf und um die Löwenbrücke vorhanden, der geplante Radweg damit zu schmal konzipiert.

Zudem führt diese Radverkehrsführung zu einer massiven Fahrzeitverlängerung bei Querung der Brücke, da an beiden Brückenköpfen die Fahrbahnen des MIV gequert werden müssen. Für die innerstädtische Seite wurden zudem auch keine Planungen vorgestellt, wie hier der Radverkehr auf die Brücke und von der Brücke abgeleitet
werden soll.

Ein sicherer und zeitgemäßer Radverkehr

Die Planungen müssen sich an den Zielen und Vorgaben des für Würzburg zurzeit in Bearbeitung befindlichen Radverkehrskonzepts orientieren. Sicherer und zügiger Radverkehr findet danach auf der Straße statt. In Tempo 30-Zonen wie der Löwenbrücke stellen die Radfahrenden dann auch kein Verkehrshindernis dar und Konflikte
zwischen Fuß- und Radverkehr werden vermieden.

Der Radverkehr auf der Ludwigsbrücke sollte beidseitig in Fahrbahnrichtung verbleiben. Problemtisch und für unsichere Radfahrer abschreckend ist der stadteinwärts geringe Abstand zwischen Gehweg und Straßenbahngleis. Hierfür wäre eine Verlegung der Straßenbahngleise in die Mittellage der Brücke notwendig. DieseVerlegung hätte auch für die Straßenbahn den Vorteil, dass der sehr enge Kurvenradius auf der Westseite der Brücke entschärft wird, was den Verschleiß an Fahrweg und Fahrzeug mindert und langfristig Kosten einspart. Der Radverkehr kann dann auch stadteinwärts sicher neben den Straßenbahngleisen und mit dem motorisierten Verkehr geführt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, den nördlichen Gehweg zu verbreitern, so dass auch Fußgänger endlich einen regelkonformen Gehweg auf der Ludwigsbrücke vorfinden. Eine entsprechende Kostenschätzung für die Verlegung der Gleise sollte daher aufgestellt werden.

Im Knotenpunkt Leistenstraße/Mergentheimerstraße muss der Radverkehr durch Schutzstreifen oder Radfahrstreifen und Aufstellflächen im Straßenraum geführt werden. Eine Weiterführung der Schutzstreifen oder Radfahrstreifen in Saalgasse, Leistenstraße und Mergentheimerstraße führt zu einer klaren und für alle Verkehrsteilnehmer verständlichen Verkehrsführung. Dadurch wird das Radfahren sicherer und Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern werden entschärft. Die "Burkarderroute" zwischen Leistenstraße und Zeller Straße kann zwar als alternative Möglichkeit für Radfahrende verbleiben, darf aber keinesfalls zwingend vorgeschrieben werden.

ADFC (Allgemeiner Deutscher
Fahrradclub), Kreisverband Würzburg,
info(..at..)adfc-wuerzburg.de

gez.
Thilo Wagenhöfer
Vorstandsmitglied

Bund Naturschutz in Bayern e.V.,
Kreisgruppe Würzburg,
Ökohaus, Luitpoldstr. 7 a, 97082 Würzburg,
gez.
Armin Amrehn
1. Vorsitzender

VCD (Verkehrsclub Deutschland),
Kreisverband Mainfranken-Rhön e.V.,
gez.
Dr. Christian Loos
Vorsitzender

AG Radverkehr im AK Mobilität &
Regionalentwicklung der Lokalen
Agenda 21 Würzburg,
gez.
Jochen Kleinhenz
Sprecher der AG Radverkehr

gemeinsamer Ansprechpartner:
Jochen Kleinhenz, Sprecher der AG Radverkehr
kleinhenz@kleinhenzgrafischesbuero.de, Tel.: 0931 – 28 79 620

 

 

 

 

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