Hindernisse beseitigen - Handlungsbedarf für einen besseren Radverkehr in Würzbur

Maßnahmenkatalog zur Förderung des Radverkehrs in Würzburg –
erstellt und dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat der Legislaturperiode 2014-2020 überreicht von:

  •   Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V., Kreisverband Würzburg,
  •   Bund Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Würzburg,
  •   Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Mainfranken-Rhön e.V.,
  •   Lokale Agenda 21 Würzburg – AG Radverkehr im AK Mobilität und
    Regionalentwicklung

Als Basis für unsere Forderungen sehen wir den einstimmig gefassten Beschluss des Würzburger Stadtrates vom Juli 2013, gemäß dem die Aufnahme in die Arbeitsgemein-schaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V. angestrebt wird. Im Zuge dessen wurde vom Stadtrat  vor allem die Erstellung eines flächendeckenden Radverkehrs-Gesamtplanes mit Haupt- und Nebenachsen, die Verstärkung und Förderung der Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf den Radverkehr sowie die umgehende Einleitung der dafür notwendigen Maßnahmen beschlossen.

Als vordringlichen Handlungsbedarf für die Umsetzung dieses Beschlusses und für eine merkliche Verbesserung der Radverkehrsbedingungen in Würzburg stufen wir ein:

  •  Die Durchführung von Imagekampagnen für das Radfahren ist von elementarer Bedeutung und sollte von Seiten der Stadt Würzburg offensiv angegangen und kontinuierlich weitergeführt werden. Ziel dieser Imagekampagnen ist vor allem, das Bewusstsein der Bevölkerung über die Bedeutung des Radverkehrs zu stärken, den Radfahrenden das Gefühl zu vermitteln, im Straßenraum erwünscht zu sein und, zusätzlich zu den notwendigen baulichen Maßnahmen, in hohem Maße dazu beizutragen, dass das Radfahren als integraler Bestandteil des Verkehrsgeschehens etabliert wird.
  • Bei allen Straßenneubau-, Straßenumbau- und Tiefbaumaßnahmen sollen die Belange des Radverkehrs, auch ohne Mandat im Einzelfall, in besonderem Maße berücksichtigt und mit den zuständigen Stellen für die Radverkehrsplanung bei der Stadt Würzburg abgesprochen werden, um nach Beendigung der Maßnahme zu einer spürbaren Verbesserung für den Fahrradverkehr zu führen.
  • Über die Verwendung der für das jeweilige Haushaltsjahr genehmigten Finanzmittel für den Radverkehr soll dem Stadtrat und der Öffentlichkeit mindestens halbjährlich Rechenschaft abgelegt werden. Eine Umschichtung in andere Haushaltstitel oder ein Verfall der Mittel soll ausgeschlossen sein.
  • Attraktive und durchgängige Radrouten, auf denen zügig, sicher und umwegefrei Rad gefahren werden kann und die in ein Fahrradverkehrsnetz münden, sollten zeitnah verwirklicht werden. Hierbei sollte der Radverkehr gemäß der Straßenverkehrsordnung vorrangig im Straßenraum etabliert werden. Als bauliche und regulierende Maßnahmen kommen hier z. B. in Frage: Markierung von Radstreifen oder Schutzstreifen auf der Straße in ausreichender Breite; Querungshilfen an Kreuzungen (Aufstellflächen, Zufahrtstreifen, etc.) und Einmündungen, Vermeidung verpflichtender Führungen des Radverkehrs auf Gehwegen. Grundlage der Planung sollen die ERA 2010 und das vom Bayerischen Staatsministerium des Innern herausgegebene Radverkehrshandbuch sein. Insbesondere soll darauf geachtet werden, dass der innerste Stadtbereich (sog. „Bischofshut") als Hauptziel für den Radverkehr attraktiv an die Vororte und Umlandgemeinden angebunden ist.
  • Gerade die innerstädtischen Brücken als wichtige Verbindungselemente müssen zügig und sicher zu befahren sein. Die gefährliche Situation an der Ludwigsbrücke sowie die fehlende bzw. nur über beträchtliche Umwege zu bewerkstelligende Anbindung von der linksmainischen Seite wurden im Radverkehrsbeirat bereits mehrfach thematisiert, Lösungen bisher aber nicht angegangen. Auch für die zwischen Fuß- und Radverkehr konfliktreiche Situation auf der Friedensbrücke und die fehlende Anbindung aus dem Kranenkai gibt es noch keine überzeugenden Lösungen. Die Verbesserung der Querungssituation auf diesen beiden Brücken als Alternative zur Alten Mainbrücke ist angesichts der dortigen Situation ("Brückenschoppen") notwendiger denn je.
  • Die Innenstadt von Würzburg (Gebiet innerhalb des Glacis inklusive Mainviertel) sollte als Tempo 30-Zone ausgewiesen werden. Dies würde zu einer spürbaren Verlangsamung des Verkehrs und damit zu mehr Sicherheit für Radfahrende und Fußgänger führen. Wir verweisen hier auf den Antrag, den ADFC, Bund Naturschutz und VCD bereits am 08.07.2013 bei der Stadt Würzburg eingereicht haben.

 

Weitere notwendige Schritte hin zu mehr Fahrradfreundlichkeit in Würzburg sind:

  • Die Rolle des städtischen Radverkehrsbeauftragten muss erheblich gestärkt werden. Denkbar wäre, dass diese Stelle direkt dem Oberbürgermeister unterstellt und nicht einem weisungsgebundenen Fachressort zugeordnet ist. Der tägliche Arbeitsablauf in einer Stadtverwaltung bietet in den meisten Fällen Gelegenheit, fahrradfreundliche Regelungen einzubauen, die keine zusätzlichen Gelder erfordern und im Ergebnis äußerst wirksam sind. Die Stelle des Fahrradbeauftragten sollte auch auf die Fahrradfreundlichkeit der Verwaltung in der alltäglichen Arbeit achten und muss dementsprechend beteiligt und positioniert sein. Sie sollte eigene Ideen direkt zur Entscheidung vorlegen können und Konzepte entweder selbst erarbeiten oder eigenständig beauftragen können. Es sollte auch ein intensiver und regelmäßiger Kontakt zu den für den Radverkehr aktiven Gruppierungen und Verbänden gepflegt werden.
  • Es sollten endlich Fahrradstraßen gem. Zeichen 244 StVO ausgewiesen werden. Dort sind Radfahrende bevorzugt, sie dürfen hier z. B. nebeneinander fahren. KFZ-Verkehr kann mit Hilfe von Zusatzzeichen zugelassen werden, muss aber in besonderem Maße auf den Radverkehr Rücksicht nehmen. Vorrangig auszuweisen ist der Bereich Münz- / Peterstraße (um eine attraktive Alternative zur Sanderstraße anzubieten). Weitere Möglichkeiten bieten Gassen im Bereich innerhalb des Bischofshuts und temporeduzierte Straßen in den Stadtteilen.
  • Ampeln mit Anforderungstasten an Kreuzungen, also Ampeln, die lediglich den motorisierten Verkehr auf der Straße automatisch mit Grünphasen bedienen, den Fußgängern oder Radfahrern Grünphasen aber nur auf Tastendruck-Anforderung gewähren, stellen nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Fußgänger ständige Ärgernisse dar und werden als Schikanen empfunden („Bettelampeln„). Diese sollten ersetzt werden durch normale Umlaufampeln, um eine zügige Querung parallel zum Kfz-Verkehr zu ermöglichen und unnötige Wartezeiten für den Rad- und Fußgängerverkehr zu vermeiden.
  • In Würzburg ist in den letzten Jahren bei vielen veralteten Radverkehrsanlagen auf oder entlang von Gehwegen erfreulicherweise die Benutzungspflicht aufgehoben worden (Entfernung der blauen Verkehrszeichen StVO 237, 240, 241; z. B. Balthasar-Neumann-Promenade, Frankfurter Straße, Seinsheimstraße, etc.). Sie sind gemäß StVO §2 (4) in „Radwege ohne Benutzungspflicht" umgewandelt worden. Jedoch ist dies weder Radfahrern noch KFZ-Nutzern hinreichend bekannt. Man geht von einer vermeintlichen Benutzungspflicht aus, was immer wieder zu bedrängenden, teils gefährlichen Situationen führt. Hier sollte durch entsprechende Hinweise (z. B. Beschilderungen, siehe Abb. mit Beispiel aus München) und im Rahmen von Imagekampagnen ausreichend Aufklärung betrieben werden. Dessenungeachtet müssen aber auch die "Radwege ohne Benutzungspflicht" für den Radverkehr ausreichend instand gehalten werden.


 

 

Würzburg, Mai 2014

unterzeichnete Gruppierungen:

 

 

ADFC (Allgemeiner Deutscher
Fahrradclub), Kreisverband Würzburg,
info(..at..)adfc-wuerzburg.de

Thilo Wagenhöfer, Vorstandsmitglied
 

Bund Naturschutz in Bayern e.V.,
Kreisgruppe Würzburg,
Ökohaus, Luitpoldstr. 7 a, 97082 Würzburg,
info@bn-wuerzburg.de, Tel. 0931 – 43 97 2

Armin Amrehn, 1.Vositzender

VCD (Verkehrsclub Deutschland),
Kreisverband Mainfranken-Rhön e.V.,
wuerzburg@vcd.org

Dr. Christian Loos, Vorsitzender

 

 

 

AG Radverkehr im AK Mobilität und
Regionalentwicklung der Lokalen
Agenda 21 Würzburg,

Jochen Kleinhenz, Sprecher der AG

kleinhenz@kleinhenzgrafischesbuero.de,

 

 

gemeinsamer Ansprechpartner:

Hans-Jürgen Beck (Mitglied im Radverkehrsbeirat der Stadt Würzburg)

hajue@beckbollwitte.de

 

 

 

 

 

 

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