Jetzt geht’s los: Würzburg soll fahrradfreundlicher werden! ..... und die Verkehrsgruppe des ADFC-Kreisverbandes mittendrin

Würzburg ist die fahrradunfreundlichste Stadt Bayerns .... so ergab es der bundesweite Radklimatest des ADFC Ende 2012. Er bestätigte damit zum einen das schlechte Ergebnis aus der Umfrage 2005 und zum anderen das, was Radfahrer auf den Straßen Würzburgs tagtäglich erleben: Radverkehrstrassen (sofern überhaupt vorhanden) enden im Nichts, sind nicht vernetzt, sind zu schmal und auf den Straßen fühlen sich die Radfahrenden unerwünscht, werden verdrängt. Wenn sie dann auf die Fußwege ausweichen, werden sie von Polizei und Ordnungsdienst mit Bußgeldern belegt. In der Öffentlichkeit wird vor allem das Fehlverhalten von Radfahrern angeprangert und kaum die mangelhafte
Infrastruktur.
Diese Missstände thematisieren wir, die Verkehrsgruppe des ADFC-Kreisverbandes Würzburg seit vielen Jahren über alle Medien, bei der städtischen Verwaltung und den politisch Verantwortlichen - natürlich gepaart mit konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung.

Und nun soll Würzburg also fahrradfreundlich werden? Da gerät man ins Staunen!
Aber tatsächlich: Der Antrag der Stadt auf Aufnahme in die “Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern e.V.” (AGFK)[1] läuft. Hierbei haben auch Mitglieder der Verkehrsgruppe eifrig mitgebohrt. Auch gibt es vom Juli 2013 einen einstimmigen Stadtratsbeschluss, der diesen Antrag ergänzt. Insbesondere wurde hier vereinbart, dass die Stadt Würzburg

  • einen flächendeckenden Radverkehrs-Gesamtplan mit Haupt- und Nebenachsen erstellt,
  • künftig die Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf Radverkehr verstärkt und fördert sowie die Wertschätzung des Radverkehrs in den öffentlichen Fokus rückt,
  • die jeweils notwendigen Haushaltsmittel zur Durchführung der erforderlichen Maßnahmen in den Haushalt einstellt und
  • alle Anstrengungen unternimmt, um 2015 in die AGFK aufgenommen zu werden.

Die notwendigen Maßnahmen sollen gemäß Beschluss umgehend eingeleitet werden.

Ein fürwahr ehrgeiziges Ziel - in Anbetracht der gegenwärtigen Situation!
Immerhin: Die Radverkehrshauptachse 1 zwischen der Sanderau/Mainradweg und der Hubland-Uni wird realisiert. Auch hierzu haben wir uns mit unseren Vorstellungen eingebracht, auch wenn im Endergebnis die Trasse mit einigen Schwächen versehen ist, z.B. teils mit einer Radverkehrsführung auf Gehwegen und Zusatzschild „Radfahrer frei“ und damit weiter die Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern schürend.

Aber zumindest ist damit der Ansatz für eine Radverkehrsinfrastruktur im Stadtgebiet erkennbar, die diesen Namen wirklich verdienen würde. Sie bestünde aus Radverkehrstrassen, die zügig zu befahren sind, keine Umwege beinhalten, also entlang der wirklichen Hauptverkehrsrouten führen und miteinander vernetzt sind. Das muss nicht zwangsläufig mit teuren Radwegen verwIrklicht werden, sondern kann z.B. durch Abmarkieren von Radstreifen auf der Straße geschehen, durch Ausweisen von Fahrradstraßen oder durch temporeduzierende Maßnahmen. „Tempo 30“ als Regelgeschwindigkeit für die Innenstadt ist in Würzburg eine zentrale gemeinsame Forderung von ADFC, VCD und dem Bund Naturschutz. Damit würden sich Geschwindigkeiten von Radlern und Autofahrern angleichen und allein schon mit dieser „Entschleunigung“ das Gefährdungspotenzial für Radfahrer verringert werden. Wege zu einer fahrradfreundlichen Radverkehrsinfrastruktut haben wir bereits 2009 in unserem Radverkehrskonzept „Fahrradfreundliches Würzburg“ ausführlich dargestellt. Das Konzept liegt als 24-seitiges Heft Politik, Verwaltung und der Öffentlichkeit vor. Es kann auch von unserer Internetseite heruntergeladen werden.

Und wichtig: Wir von der Verkehrsguppe sind der Meinung, dass mit Maßnahmen für ein fahrradfreundliches Würzburg an den zentralen Problemstellen für den Radverkehr begonnen werden sollte und nicht an Nebenstrecken! Solche Brennpunkte stellen z.B. die Würzburger Brücken dar, die Trasse Hauger-/Röntgenring oder der Berliner Ring - um nur wenige Beispiele zu nennen.
Aber was ist vom Umsetzungswillen des oben genannten Stadtratsbeschlusses zu halten, wenn

  • uns bezüglich der Verbesserung der Verhältnisse an der Löwenbrücke von einer Vertreterin der Bauverwaltung mitgeteilt wird, da sei nichts möglich und (Zitat!): „Uns fällt dazu nichts ein“, [2]
  • am Röntgenring zwar ein erstes Stück fahrradfreundlich gestaltet wird, der größte Teil der Strecke aber weiterhin einen gefährlichen Quetsch- und Drängel-Parcours darstellt,
  • am Berliner Ring eine umständliche Radverkehrsführung abseits des Kreisverkehrs und über Anforderungsampeln etabliert wird, an manchen Stellen sogar abgestiegen werden muss, da die Führung über Umlaufsperren und Zebrastreifen erfolgt?

Weiteres Engagement und beharrliche Überzeugungsarbeit von unserer Seite ist notwendiger denn je!

Wie geschieht das, was tut die Verkehrsgruppe des ADFC Würzburg?

  • Wir suchen das Gespräch mit den politischen Entscheidungsträgern und bringen das Thema „Alltagsradverkehr“ beharrlich in die Rathauspolitik ein.
  • Wir geben Anstöße zu konkreten Planungen.
  • Wir leisten Pressearbeit und geben Presseerklärungen zu aktuellen Themen rund um den Würzburger Radverkehr heraus, die dann in den Medien veröffentlicht werden.
  • Wir nehmen Stellung zu den aktuellen Würzburger Verkehrsthemen. 2013 waren dies zum Beispiel:

    • eine umfangreiche Stellungnahme zu den geplanten Radverkehrsführungen im
    • Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur neuen Straßenbahnlinie 6 [3],
    • eine 30-seitige Stellungnahme zum Aufnahmeantrag der Stadt in die AGFK,
    • eine Stellungnahme zum Parkraumtarifkonzept und wie auch hier radverkehrsfördernde Maßnahmen durchgeführt werden können.

  • Wir werden von den lokalen Funk- und Fernsehmedien immer wieder zu Statements, Interviews und Gesprächen eingeladen.
  • Wir führen Gespräche mit der Polizei, um auch hier eine höhere Aufmerksamkeit für die Belange der Radfahrenden zu erreichen.
  • Wir beteiligen uns an der alljährlichen Mobilitätswoche mit Infoständen und anderen Aktionen rund um den Fahrradverkehr.
  • Wir bieten Touren zu den Problemstellen für den Radverkehr in Würzburg an. Im November 2013 haben wir dies auch zusammen mit den Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt gemacht und ihnen die Möglichkeit gegeben, sich öffentlich Pro Radverkehr zu positionieren.

 

Zudem sind etliche Mitarbeiter der Verkehrsgruppe auch im Radverkehrsbeirat der Stadt Würzburg aktiv, der 2009 etabliert wurde. Es werden dort aktuelle Probleme desRadverkehrs von übergeordneter Bedeutung sowie konzeptionelle Entscheidungen besprochen, zudem konkrete Planungen und Baumaßnahmen begutachtet.
Entscheidungsbefugnis besitzt dieses beratende Gremium allerdings nicht, das bleibt der Stadtratsmehrheit vorbehalten. Mit der Wahl des neuen Stadtrates im März 2014 wird auch der Radverkehrsbeirat neu bestellt. Wir erwarten, dass auch dann der ADFC als wichtigste Interessensvertretung der Würzburger Radfahrer zahlreich vertreten ist.

Für den neuen Stadtrat haben wir bereits Ende 2013 unsere Hauptforderungen für die Radverkehrspolitik der nächsten Jahre formuliert. Das sind:

  • Durchführung von Imagekampagnen für das Radfahren,
  • Schaffung von attraktiven, durchgängigen und miteinander vernetzten Radrouten, auf denen zügig, sicher und umwegefrei Rad gefahren werden kann und die miteinander vernetzt sind,
  • Brücken als wichtige Verbindungselemente für den Radverkehr so umzugestalten, dass dort sicher und zügig Rad gefahren werden kann,
  • Stärkung der Position des städtischen Radverkehrsbeauftragten,
  • Ausweisung von Fahrradstraßen gem. Zeichen 244 StVO (z.B. Münz- / Peterstraße),
  • an Kreuzungen Ersatz von Ampeln mit Anforderungstasten durch normale Umlaufampeln, so dass auch hier der Rad- und Fußgängerverkehr dem Autoverkehr gleichgestellt ist - das heißt: bitte keine „Bettelampeln“ mehr.
  • Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs bei allen Straßenbaumaßnahmen.

Mit diesen Schwerpunktsetzungen wollen wir den Beschluss des Stadtrates vom Juli 2013 unterstützen und auf den Weg bringen. Hoffen wir, dass dieser Weg nicht in einer schwungvollen Sackgasse endet wie der stadteinwärtige Radweg entlang des Rennweges ...

Vielleicht verspüren Sie Lust, sich bei uns zu engagieren und dazu beizutragen, dass Würzburg fahrradfreundlicher wird? Schauen Sie doch einfach mal bei unseren monatlichen Treffen vorbei. Wir treffen uns in der Regel an jedem 4. Dienstag im Monat, 18:30 Uhr, im ADFC-Infoladen am Hauptbahnhof. Bitte entnehmen Sie aber die aktuellen Termine unserer homepage – manchmal müssen Sie nämlich aus aktuellem Anlass verschoben werden, so auch die ersten Treffen in diesem Frühjahr – sie finden statt am Dienstag, 18. März und am Dienstag, 15. April. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
(Hans-Jürgen Beck, ADFC-Verkehrsgruppe)

[1] Die AGFK ist eine 2011 ins Leben gerufene landesweite Arbeitsgemeinschaft bayerischer Kommunen, die sich zum konsequenten Ausbau eines Radverkehrsnetzes und zur Verwirklichung einer fahrradfreundlichen Mobilität verpflichten. Begleitet und unterstützt wird diese Initiative durch das Bayerische Staatsministerium des Innern, den Bayerischen Städtetag, den Bayerischen Gemeindetag, den Bayerischen Landkreistag und dem ADFC Landesverband Bayern. Nähere Infos unter www.agfk-bayern.de

[2] Im Januar 2014 wurde von einem Vertreter der Planungsverwaltung die Löwenbrücke öffentlich als „lebensgefährlich“ für Radfahrende bezeichnet – ist da die Würzburger Verwaltung in sich uneinig?

[3] Hier hat uns dankenswerterweise das Würzburger Planungsbüro Goldmann tatkräftig unterstützt!

© ADFC Würzburg 2017