Fahrradfreundliches Würzburg

Ein Konzept des ADFC Kreisverband Würzburg, zur Förderung des Radverkehrs in der Stadt

Unter diesem Titel hat der Kreisverband Würzburg des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V.) eine umfangreiche Schrift erstellt, in der Maßnahmen vorgestellt werden, mit denen die Situation für die Radfahrerinnen und Radfahrer in Würzburg grundlegend verbessert werden kann.

Radfahren in der Stadt ist schnell, gesund, kostengünstig, sozial, schont Umwelt und Klima, ist leise und spart Platz. Ein hoher Radverkehrsanteil im städtischen Gesamtverkehr steigert somit die Lebensqualität. Radfahren macht Spaß, aber nur dann, wenn auch die Bedingungen für den Radverkehr in der Stadt fahrradfreundlich sind.

Maßnahmen zur Radverkehrsförderung haben den Vorteil, dass sie im Vergleich zu sonstigen Verkehrsplanungen effektiv und kostengünstig sowie schnell realisierbar sind.

In Würzburg liegt allerdings noch Vieles im Argen. Der Radverkehr wird trotz einiger Verbesserungen nach wie vor erheblich benachteiligt, die Verkehrsplanung ist immer noch fast ausschießlich am motorisierten Privatverkehr orientiert. Würzburg hinkt damit nicht nur eklatant dem Nationalen Radverkehrsplan von 2002 hinterher, sondern nimmt im bundesweiten Radklimatest 2005 von 21 Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern den letzten Platz ein. Damit die Fahrradnutzung in Würzburg steigt, müssen vor allem die Fahrradinfrastruktur, aber auch das Serviceangebot und die städtische Öffentlichkeitsarbeit entscheidend verbessert werden.

Grundlegende Merkmale für eine fahrradfreundliche Stadt sind direkte, sichere, zügig zu befahrene und damit umwegefreie Radverkehrsverbindungen. Sie sollen in einem integrierten Gesamtsystem zusammenlaufen, einem Radverkehrsnetz, das den Ansprüchen des Radverkehrs im Alltag gerecht wird. Dabei kann der Radverkehr nicht vom Straßenraum auf Nebenstrecken oder auf Umwege verdrängt werden. Er ist endlich als integraler Bestandteil des gesamtstädtischen Verkehrswesens zu berücksichtigen.

Ausgewiesene Radwege stellen für eine fahrradfreundliche Stadt keinesfalls ein „Allheilmittel“ dar. Allzuschnell dienen sie als „Rad-weg!“ nur dazu, dass der Autoverkehr ungehindert rollen kann und Radfahrer sich mit unkomfortablen bis unakzeptablen Rest- und Randflächen begnügen müssen. Insbesondere verpflichtende Radwegführungen auf Fußwegen, in Würzburg immer noch an der Tagesordnung, sind abzulehnen. Sie schaffen Konflikte mit Fußgängern und führen damit zur Konkurrenz gerade zwischen den beiden umweltfreundlichsten Fortbewegungsmitteln. Die Straße muss insgesamt wieder als Verkehrs- und Bewegungsraum für alle nutzbar sein, eine vorrangige Orientierung an den Belangen des Autoverkehrs ist nicht mehr zeitgemäß und wird den heutigen Anforderungen für eine menschen- und umweltfreundliche Stadt nicht mehr gerecht.

Die Realisierung eines Radverkehrsnetzes soll zum einen durch komfortabel befahrbare, umwegefreie Radverkehrsachsen geschehen, die mit der Straße geführt werden und nicht abseits davon, zum anderen durch flächendeckende Verkehrsberuhigungs- und Verkehrsreduzierungsmaßnahmen.

Radverkehrswege müssen vor allem an den verkehrstechnischen Knotenpunkten sicher und direkt geführt werden, zügig zu befahren sein und die Führung für alle Verkehrsteilnehmer klar erkennbar sein. Dies kann geschehen durch gekennzeichnete Aufstellflächen mit zuleitenden Schleusen oder durch einmündende Radstreifen.

Im Zuge der Verwirklichung einer fahrradfreundlichen Stadt sollte u.a. auch auf folgendes geachtet werden:

- Kreuzungsampeln, an denen Radfahrer und Fußgänger Grünphasen eigens anfordern müssen, sind vollkommen inakzeptabel. Sie müssen aus Gründen der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer so geschaltet werden, dass sie wie für den Autoverkehr automatisch umschalten. Auch müssen längere Wartezeiten an Straßenquerungsampeln vermieden werden.

- Vor allem in Straßenbahnen sollten verbesserte Mitnahmemöglichkeiten für Fahrräder angeboten werden.

Gute Fahrradabstellanlagen sind wichtige Bausteine der Radverkehrsförderung. Benötigt werden Abstellanlagen, an die man auch den Rahmen diebstahlsicher befestigen kann! Vorderradklemmer sind out! Es sind in der Stadt insgesamt noch viel zu wenige Möglichkeiten vorhanden, das Fahrrad sicher und geordnet abzustellen. Besonderer Nachholbedarf besteht gerade am Hauptbahnhof, aber auch an vielen Stellen in und um den Stadtkern. Hier und auch an weiteren zentralen Stellen der Innenstadt täten auch sichere Gepäckaufbewahrungsstellen not.

Eine Imagekampagne der Stadt für das Radfahren ist neben einer stetigen Weiterentwicklung eines Radverkehrsnetzes von elementarer Bedeutung. Hierbei muss, neben der Herausgabe von stadteigenen Publikationen und einer Vorbildfunktion städtischer Entscheidungsträger, auch die Pressearbeit konsequent genutzt werden. Die Rolle des städtischen Fahrradverkehrsbeauftragten sollte gestärkt werden und eine Radverkehrskommission als vorbereitendes Entscheidungsgremium tagen.

Im Konzept werden auch besondere Brennpunkte und Gefahrenzonen für den Würzburger Radverkehr aufgezeigt. Hier sind vor allem der Bereich um die Löwenbrücke und Leistenstraße zu nennen, der Europastern sowie der Berliner Ring. Hier sind schlechte bis fehlende Radquerungsmöglichkeiten, Umwegführungen sowie fahrrad- und fußgängerunfreundliche Ampelschaltungen ein Ärgernis. Mit radverkehrsplanerischer Fachkompetenz müssen hier vorbildliche Lösungen für den Radverkehr gefunden werden.

Weitere wichtige Verbindungsachsen für den Würzburger Radverkehr, die zumindest in Teilen dringend verbesserungsbedürftig sind, werden im Konzept vorgestellt, zum Beispiel:

Verbindungen zwischen Ringpark und Innenstadt,

  • Achse Innenstadt-Zellerau,
  • Achse entlang des westlichen Mainufers: Heidingsfeld-Zell,
  • Achse entlang des östlichen Mainufers: Randersacker-Veitshöchheim,
  • Achse Innenstadt (Ringpark) – Frauenland – Hubland – Gerbrunn
  • Route Berliner Ring bis Greinbergknoten,
  • Anbindung von Versbach und Lindleinsmühle,
  • Anbindung von Lengfeld,
  • Anbindung der Stadtteile im Dürrbachtal.

 

Das vollständige Konzept als PDF (3,4 MB):

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